Kinder im Garten Ein Loblied auf den Buddelkasten…

Ein Loblied auf den Buddelkasten…

Foto: H. Krüger-Danielson 
Der Buddelkasten in einer Wohn­anlage wirkt manchmal etwas verloren, aber immerhin gibt es auch hier eine bescheidene, kleine Möglichkeit, erdverbunden groß zu werden.

Stadtböden – Kinder begegnen dem Thema Boden im Kleingarten


Denken Sie mal bitte an Ihre Kindheit zurück und fragen Sie sich, ob Sie sich dabei an einen „Buddelkasten“ erinnern können. Hoffentlich können Sie diese Frage mit einem Ja beantworten, denn dann kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass Sie zu den Erwachsenen gehören, welche schon von Kindheit an einen positiven Kontakt zur Natur gehabt haben.

Warum übt eigentlich gerade so ein Buddelkasten eine Faszination auf Kinder aus? Der helle Sand hat viele Eigenschaften, die uns als angenehm erscheinen. Er kann so kuschelig warm werden, rieselt wunderbar durch die Finger, lässt sich mit Wasser zu einem leicht formbaren Brei vermengen. Und die helle Farbe vermittelt den Eindruck von einem keimfreien und die Kleidung wenig strapazierenden Spielplatz.

Wenn Sie in Ihrem kleinen Garten eine solche Buddelkiste mit eigens dafür in Säcken angebotenem Spielkasten-Sand einrichten, stimmt dieses Bild auch, weitgehend jedenfalls. Im öffentlichen Raum eines Parks wird es da schon schwieriger. Denn Stadtkinder von heute haben kaum noch Möglichkeiten, intensive und gleichzeitig gefahrlose Erfahrungen mit dem Thema „Boden“ zu machen, es sei denn, sie werden in einem Kleingarten ihrer Eltern oder Großeltern groß.

Foto: H. Krüger-Danielson 
Die Versiegelung der Oberflächen ist ein Grundproblem in der Stadt. Dabei ist das „Kleinpflaster“ noch vergleichsweise wasserdurchlässig.
Unabhängig von unseren persönlichen Erfahrungen besitzt das Thema „Boden“ eine große, wenn auch zwiespältige, gesellschaftliche Bedeutung. Im Kanon der besonders wichtigen Umweltthemen steht der Boden neben den Themen Wasser und Luft in allererster Reihe.

Daneben gibt es viele Anknüpfungspunkte, ob nun materiell („Grund und Boden“, „Grundbesitz“) oder religiös („aus Asche …zu Asche“), sowie tagtäglich in der Umgangssprache („mit Füßen treten“, „den Grund unter den Füßen verlieren“) oder zeitgeschichtlich („verbrannter Boden“ oder die „Blut-und-Boden Ideologie“ der Nationalsozialisten).

Tatsache ist, dass der Boden eine sehr große und wichtige ökologische Bedeutung für uns hat. Er ist die Grundlage für unsere Kulturpflanzen und damit die Voraussetzung für unsere Ernährung. Der Boden bildet einen unglaublich großen und wichtigen Filter für unser Trinkwasser. Wir nutzen die Bodenschätze für unseren Wohlstand, teilweise allerdings im Raubbau. Auch deshalb verbindet sich mit dem Schutz der Ressource Boden auch die Verantwortung, für künftige Generationen einen guten und gesunden Boden zu hinterlassen.

Die Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft und der Bundesverband Boden stellen jedes Jahr einen Bodentyp in den Mittelpunkt ihrer Öffentlichkeitsarbeit. Im Jahr 2010 sind die „Stadtböden“ zum Boden des Jahres ausgewählt worden. Unter dem Begriff „Stadtböden“ werden die vielfältigen Böden städtisch-industrieller Räume zusammengefasst. Sie sind nahe liegender Weise vom Menschen besonders stark beeinflusst.

Nutzungen von Gewerbebetrieben, Industrieansiedlungen, Straßen, Verkehrsflächen, Wohngebäuden stellen große Eingriffe in den Naturhaushalt dar. Deshalb ist es umso wichtiger, gerade in den Städten unversiegelte und naturnahe Flächen zu erhalten oder neu zu schaffen. Parks, Waldgebiete, Kleingärten, Schulgärten, Straßenbegleitgrün, jede dieser Flächen trägt zu einer nachhaltigen Verbesserung der städtischen Ökosysteme bei. Dabei kommt den Gartenflächen eine besonders große Bedeutung zu.

Es ist eine wichtige, aber auch schwierige Aufgabe, für Kinder das Thema „Boden“ in seiner ganzen Vielseitigkeit begreifbar zu machen. Das „Begreifen“ sollte man hier ruhig wörtlich nehmen, anfassen … damit spielen… darin pflanzen… den Boden pflegen.

Was im Buddelkasten beginnt, das wird dann vielleicht später im eigenen Kleingarten, im Schulgarten oder sogar an einem Ausbildungsplatz in einem „Grünen Beruf“ fortgesetzt.

Helmut Krüger-Danielson


Stand:01.05.2010


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